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Interview Barbara Beyweiss PDF Drucken E-Mail

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Barbara Beyweiß ist selbst Patin eines Kindes in der TCV Schule in Chauntra. Seit 2008 ist sie auch selbst auf der Suche nach neuen Sponsoren für Kinder. Außerdem sammelt und organisiert sie auch Sachspenden (Medikamente, Fussballdressen etc) für die TCV Schule in Chauntra.

Warum unterstützen Sie tibetische Flüchtlingskinder in der TCV Schule in Chauntra?

Schon längere Zeit habe ich mich für die spirituelle aber auch politische Lage Tibets und die der Tibeter in und außerhalb Tibets interessiert. Besonders berührt haben mich das Buch und später auch der Film Flucht über den Himalaya von Maria Blumencron. Selbst Mutter eines Sohnes habe ich mir oft die Frage gestellt, was in tibetischen Müttern vorgehen muss, wie groß die Verzweiflung und Hoffnungslosigkeit auf eine friedliche Zukunft sein müssen, um sicher das Liebste das sie haben, nämlich ihre Kinder, über tausende Meter hohe Berge in ein für sie fremdes Land zu schicken, um ihnen dort eine fundierte schulische Ausbildung in ihrer Tradition zu ermöglichen. Viele dieser Mütter und Kinder sehen sich nie wieder.
Durch einen Zufall hat meine Mutter im Herbst 2005 einen Artikel über die Schule in Chauntra und die Möglichkeit einer Patenschaft für tibetische Flüchtlingskinder entdeckt. Nach einem Treffen mit Inge Eiselt war es für uns klar: Wir übernehmen die Patenschaften für Lobsang und Migmar; kurz darauf hat auch die Familie meiner Schwester die Patenschaft für Yangchen übernommen.

Warum suchen Sie auch aktiv Paten?

Im April 2008 war es mir während einer Patenreise nach Indien möglich, mein Patenkind Lobsang aber auch all die anderen Kinder und die Schule in Chauntra kennen zu lernen. Erschüttert über die ärmlichen Verhältnisse aber auch tief berührt von der Fröhlichkeit, Aufgeschlossenheit und Herzlichkeit dieser Kinder habe ich unvergessliche Stunden in Chauntra verbracht. Schon dort ist bei mir/uns aber die Idee gereift, mehr für alle Kinder tun zu wollen.

Durch eine Patenschaft kann ich diesen Kindern weder ihre Eltern noch ein Leben in Frieden in ihrer Heimat wiedergeben. Ich kann ihnen aber das Gefühl vermitteln: Da ist noch wer, der an dich denkt, der dich lieb hat und für dich da ist!.

Kann ich auch helfen, ohne dass ich ein Patenkind sponsere?

Ja, selbstverständlich. Viele Kinder haben ja noch keinen Paten, der für ihre Ausbildung und Unterbringung aufkommt. Aber auch für all die anderen Kinder muss gesorgt werden!

Hier einige Ideen, die ich Dank der Hilfe von Freunden bereits verwirklichen konnte:

· Mein Sohn ist begeisterter Fussballer des Sportclubs Hermagor, eines der größten Hobbies der meisten tibetischen Buben ist auch das Fussball spielen.. Alte, nicht mehr benötigte Dressen, wurden und werden vom Sportclub Hermagor zur Verfügung gestellt um sie nach Indien zu schicken. Die Freude bei den Buben war groß, endlich als richtige Mannschaften kicken zu können!

· Von Freunden bekomme ich immer wieder warme Kinderkleidung aber auch Geld für das Porto, um die Päckchen finanzieren zu können.

· Eine Freundin hat spontan Geld für Vitaminpräperate und Heilsalben + das Porto für den Versand gesponsert.

· Zwei Kolleginnen haben die langen Winterabende genützt und unzählige Paare warme, wunderschöne Wollsocken gestrickt.

· Eine Freundin hat Geld für den Ankauf neuer PCs für die Schule gesammelt, die sie während der heurigen Patenreise in Indien kaufen konnte.

· Usw.

Kommt das Geld auch wirklich bei meinem Kind an?

Diese Frage habe ich auch mir gestellt bevor ich die Patenschaft übernommen habe.
Ja, die 360 € Euro/Kind/Jahr werden für die Ausbildung und Verpflegung des Patenkindes verwendet.
Während meines Besuches in der Schule habe ich mir aber auch die kleinen Kästchen und Koffer der Kinder angesehen. Lobsang trägt wirklich nur noch das Gewand, das ich ihm geschickt habe. Es macht jedoch nicht viel Sinn Unmengen von T-Shirts etc. für ein Kind zu schicken, da viele der anderen Kinder keine Paten haben, wird ein Zuviel mit anderen bedürftigen Kindern geteilt.

Wie ist der Kontakt zu Ihrem Patenkind?

Als ich die Patenschaft für Lobsang übernommen habe, hat er gerade mit der Schule begonnen. Mehrmals jährlich bekomme ich Zeichnungen, mittlerweile auch Briefe, die er selbst schreibt. Zusätzlich informiert Frau Tenzin Yangkyi (Leiterin der Patenbetreuung, Schulmutter) über Aktivitäten in der Schule.
Seit ich Lobsang selbst kennenlernen durfte ist meine Beziehung zu ihm eine noch viel intensivere.

Wie haben Sie die Gegebenheiten in der TCV Schule in Chauntra erlebt?

Während einer Führung durch einige Klassenräume konnten wir uns von den Lehrmethoden überzeugen. Alle Kinder werden in Tibetisch, Hindi und Englisch, zusätzlich in Mathematik, Geschichte, Geografie, unterrichtet. Im Gegensatz zu vielen Kindern in westlichen Ländern hat das Lernen dürfen einen ganz anderen Stellenwert. Die Schüler werden auch im Umgang mit Computern ausgebildet.
Das Schuljahr wird in Trimester unterteilt; die Benotung unterscheidet sich jedoch von österreichischen Schulen. Für jeden Gegenstand werden mehrere Noten vergeben, z.B. Mitarbeit, Ausdruck, Wiedergabe von Lehrinhalten, soziales Verhalten,
Kinder mit besonderem Förderbedarf werden in eigenen Klassen unterrichtet. Bei ihnen wird besonderes Augenmerk darauf gelegt, ihre Stärken bestmöglich zu fördern um eine größtmögliche Selbständigkeit dieser Kinder zu erreichen.

Die Schlafsäle gleichen großen Massenlagern, ausgestattet mit Stockbetten, in denen aus Platzmangel oft zwei Kinder schlafen. Eine Hausmutter ist für die Betreuung von ca. 50 Kindern zuständig, größere Kinder helfen kleineren z.B. beim Waschen der Wäsche.
Die Schlafsäle ohne Bodenbelag, mit undichten Fenstern, ohne warmes Wasser .. - bieten den Kindern wenig Gemütlichkeit. Die meisten Kinder sind nach den Unterrichtsstunden deshalb im großen Innenhof der Schule anzutreffen.

Warum haben Sie sich vorgenommen wieder in die Schule nach Chauntra zurückzukehren?

In den zweieinhalb Tagen, die ich mit den Kindern in Chauntra verbringen durfte, sind diese mir sehr ans Herz gewachsen. Auch zu Frau Tenzin Yangkyi hat sich in den Jahren eine Freundschaft entwickelt. Ich habe wunderschöne und sehr beeindruckende Stunden mit diesen Menschen erleben dürfen. Deshalb möchte ich es auch meinem Sohn ermöglichen, diese fremde Kultur kennenzulernen. Wir leben trotz Wirtschaftskrise in einem der reichsten Länder der Welt und es ist für uns so vieles selbstverstÄndlich, dass uns ein Blick über den eigenen Tellerrand wieder dankbarer und auch demütiger werden lässt.
Diese tibetischen Kinder haben sich nicht freiwillig für ein Leben als Flüchtling und ohne ihre Eltern entschieden.

Wie kann man mit Ihnen in Kontakt treten?

Ich bin gerne bereit, meine Erfahrungen mit einer Patenschaft mit Ihnen zu teilen. Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann. .

Interview: Timm Bodner