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Tenzin Yangkee ist 34, geboren in Indien, aber Tibeterin. Sie ist seit 7 Jahren verheiratet. Ihr Ehemann lebt in Nepal. Seit 1998 ist sie für die TCV- Schulen tätig. Seit 2004 in dieser Schule in Chauntra.
Ich bin die Schulmutter Ihr Job, der eigentlich mehr eine Berufung ist, nimmt sie 7 Tage in der Woche und 24 Stunden pro Tag in Anspruch. Sie ist immer für die Kinder da. Für die Lehrer, für die Betreuer. Außerdem koordiniert sie den Kontakt zwischen den Paten und den Kindern. Verschickt die Briefe an die Pateneltern und kümmert sich um die Einkäufe. "Ich liebe es in Gesellschaft zu sein, ich liebe Kinder, außerdem bin ich selbst Tibeterin. Darum mache ich das." Ihr Blick drückt Stolz aus, aber auch Trauer, weil sie tagtäglich mit dem Schicksal der Kinder konfrontiert wird. "Zuerst war ich Sekretärin der Schule, jetzt bin ich Sponsor- Secretary. Nennen wir es Schulmutter, und ich bin so glücklich darüber."
Rund 17.000 Kinder leben in den TCV- Schulen in Indien, 1000 Kinder sind es hier in Chauntra. 500 davon haben auch einen Sponsor. "Die Kinder kommen aus Tibet. Sie werden über 6.000 Meter hohe Bergpässe geschickt. Dann bleiben sie drei bis vier Monate in Nepal, dort werden sie betreut. Danach kommen sie nach Dharamsala (Anm.: TCV Schulen Hauptquartier), von dort aus werden sie in die einzelnen TCV- Schulen aufgeteilt."
Ich kann an dieser Stelle nicht niederschreiben, was die Kinder durchmachen. Das kann sich auch niemand nur im geringste vorstellen, der es nicht selbst erlebt hat. Von den Eltern weggeschickt zu werden, die so ein Opfer aus Liebe bringen, weil sie wollen, dass ihre Kinder eine Ausbildung bekommen und so eine Zukunft haben. "Wenn die Kinder zu uns in die Schule kommen, haben sie einen Großteil der psychischen Belastungen schon verarbeitet. Wir versuchen, dass sie die Kinder von der ersten Sekunde an wohl fühlen bei uns. Natürlich werden sie auch hier noch psychologisch betreut". "Wir beginnen mit dem Kindergarten, die Kinder sind da drei Jahre alt. Unterreichtet werden sie in Englisch, Tibetisch und Mathematik." Die Schule dauert dann von sechs bis 18 Jahren. Viele Kinder flüchten aber auch erst später aus Tibet, sie beginnen dann mit der Schule vielleicht erst mit 15 und bleiben dann natürlich dementsprechend länger. "Wenn die Kinder 18 sind, die Ausbildung abgeschlossen ist, können sie studieren. Sie können dann aber auch zurück nach Tibet gehen, wenn es ihre Eltern erlauben. Wenn ein Kind die Schule nicht schafft, kann es bei uns auch einen Beruf erlernen. Koch zum Beispiel. Wir helfen dem Kind dann auch einen Job zu finden."
Die Kinder könnten zurück nach Tibet gehen. Ratsam ist es allerdings nicht. Zu groß ist die Gefahr, verhaftet zu werden. Deshalb bleibt der Großteil auch in Indien. "Sehr wichtig für die Kinder ist der Dalai Lama. Seine Heiligkeit war auch schon bei uns in der Schule. Bei der Eröffnung. Denn zeitgleich ist auch ein neuer Tempel eröffnet worden, der gleich in der Nähe gebaut wurde".

Wir wollen unbedingt in unser Land Von Dezember bis Ende Februar sind Winterferien. Da ist die Schule geschlossen, weil es zu kalt ist zu unterrichten. Dann hat es in Chauntra um die fünf Grad, Schnee gibt es keinen. "500 Kinder müssen aber dennoch in der Schule bleiben. Ihre Eltern sind in Tibet, oder sie haben gar keine Eltern mehr. Vier bis Fünf Lehrer bleiben auch in der Schule und organisieren für die Kinder Computerkurse, oder gehen in die Bibliothek. Ganz selten kommen auch Eltern aus Tibet, um ihre Kinder zu besuchen. Ganz selten.."
"Auch ich kann nicht nach Tibet gehen, besonders für mich ist es sehr gefährlich. Aber Gott weiß, irgendwann werden wir zurück gehen. Wir wollen unbedingt in unser Land.." Tenzin Yangkee hat Tränen in den Augen.
Die Paten, von den Kindern "Sponsors" oder auch liebevoll "English Mum and Dad" genannt ermöglichen mit ihren 360 Euro pro Jahr den Kindern die Ausbildung. "Wenn sie uns nicht helfen würden, wäre es unmöglich für uns und die Kinder. Sponsoren sind richtige Buddhisten. Denn im Buddhismus sind Leute die anderen helfen, immer gut. Wir lehren auch den Kinder wie wichtig ihre Sponsors sind. Denn ein ordentliches Leben ohne Ausbildung ist nicht möglich. Ihr seid wie zweite Eltern für die Kinder." Jetzt werden auch meine Augen feucht..
Die Freundschaft zwischen den Kindern und ihren Pateneltern bleiben oft aufrecht, auch nach Ende der Schule. Ein Kind zu adoptieren, es nach österreich zu holen ist nicht möglich. Das möchte der Dalai Lama nicht. Denn die tibetischen Kinder sind die Zukunft des Landes, damit die tibetische Kultur nicht völlig ausstirbt. Nach der 12. Klasse, wenn die Kinder 18 sind, ist es möglich, dass das Kind vielleicht in österreich studiert und dann bei den Pateneltern wohnt. Aber auch das ist kompliziert und schwer realisierbar. Denn die Kinder haben keinen Pass. Die Kinder werden mit Guides von Tibet über den Himalaya geschickt und bekommen nur ein "Registration Paper" mit. So wissen die Helfer in Nepal und Indien wo das Kind herkommt, wie alt es ist und wie es heißt. Pro Jahr flüchten über den Himalaya geschätzte 1000 Kinder. 30 davon sterben.
Wir sind Friedensleute " Mein Traum ist es, dass die Kinder eine gute Ausbildung bekommen. Dass unsere Kultur erhalten bleibt. Wir wollen den Kindern ihre eigene Kultur und ihr Land geben. Ich träume davon, dass wir irgendwann zurück nach Tibet gehen können. In ein freies Land. Es ist möglich, denn die Welt weiß mittlerweile, was in Tibet passiert. Wir lieben den Frieden, wir glauben daran anderen zu helfen. Ohne Gewalt. Wir haben einen starken Glauben. Wir Tibeter sind Friedensleute. Wir wollen unser Land durch Frieden zurück, nicht durch Gewalt."
Tenzin Yangkee, ich danke für das bewegender Gespräch. Es ist bis dato das berührendste Interview, dass ich jemals geführt habe. Als Dankeschön bekomme ich einen Handschlag. "Danke Timm, dass du so interessiert bist und danke für die Hilfe".

Eben mit dieser Homepage versuche ich aufmerksam zu machen. Und zu helfen, in weiterer Folge..
Interview und Bericht: Timm Bodner
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