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Interview Claudia Haider PDF Drucken E-Mail

 "Man möchte dazu weinen.."

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Warum haben Sie sich dazu entschlossen, ein tibetisches Flüchtlingskind als Patin zu unterstützen?

Mein Mann war der tibetischen Kultur immer sehr verbunden und pflegte auch eine Freundschaft mit dem Dalai Lama. Nach dem Tod meines Mannes schickte der Dalai Lama einen Abgesandten zum Kondolenzbesuch und wenig später wurde ich zu einem Besuch nach Hüttenberg eingeladen. Dort erfuhr ich von dem schrecklichen Schicksal meines Patenkindes. Vater und Mutter wurden erschossen, das war für mich wie ein Wink des Schicksals, dass dieses Kind mein Patenkind werden soll. Sein genaues Alter ist nicht bekannnt, es wird geschätzt, dass er 2001 geboren wurde.

Wie war der Moment, als Sie ihrem Patenkind das erste Mal persönlich gegenüber standen?

Es war ein großer, bewegender Moment. Ich hatte gleich das Gefühl, dass sich da etwas auf der emotionalen Ebene entwickelt. Der "Draht" zueinander war sofort da. Wir konnten uns zwar nicht in einer gemeinsamen Sprache austauschen, aber es ging über andere Signale. Über Streicheln, in den Arm nehmen, einfach sich zeigen, dass man sich gerne hat. Ich habe ihm übersetzen lassen, dass er in guten wie in schlechten Momenten daran denken soll, dass er irgendwo auf der Welt jemanden hat, der ihn ganz tief in seinem Herzen bewahrt.

Wie haben Sie den Alltag/das Leben in der TCV-Schule in Chauntra erfahren? Wie war es für Sie, mit dem Leid der Kinder direkt konfrontiert zu werden?

Das war ein zwiespältiges Gefühl, weil wir natürlich alle unsere europäischen Maßstäbe mit im Kopf führen. Die muss man aber einmal ganz beiseite lassen. Die Schule ist sehr gut geführt. Aufgrund des Glaubens gibt es unter den rund 1000 Kindern auch keine Aggression, keinen Neid, das ist sehr beglückend. Wenn man die Schulstunden beobachtet, merkt man eine große Aufmerksamkeit und Konzentration der Schüler. Auch in den Freilernstunden, wenn kein Lehrer anwesend ist, arbeiten die Kinder sehr emsig. Denn sie wissen, dass sie eine große Aufgabe haben, nämlich die tibetische Kultur und ihr eigenes Leben über die Bildung zu gestalten.
Natürlich sind andere Dinge nach unseren Maßstäben sehr schwer vergleichbar. Die Schlafsäle, das Essen, die Wäsche selbst waschen mit kaltem Wasser usw. Es ist furchtbar das zu sehen, man möchte dazu weinen..

Was haben Sie persönlich von dieser Reise mitgenommen?

Ich habe sehr viele tiefe Eindrücke mitgenommen. Die herzliche Beziehung zu meinem Kind, die ich intensivieren konnte. Es ist einfach schön zu wissen, dass es auf dieser Welt jemanden gibt für den man sorgen kann, dem ich mit meiner Fürsorge eine Zukunft ermögliche.
Es ist ein schönes Gefühl, wobei man gleichzeitig das Gefühl bekommt so hilflos zu sein. Am liebsten würde man alle 1000 Kinder adoptieren. Man möchte eigentlich viel mehr für die Kinder tun.

Was wünschen Sie sich für ihr Kind für die Zukunft?

Ich hoffe, dass er die Möglichkeit der Bildung nützen kann, um dann ein eigenverantwortliches Leben zu führen. Aber ich bin fest davon überzeugt, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen wird. Ich möchte "Pam" auch wieder besuchen..

 

Lesen Sie hier den persönlichen Reisebericht von Claudia Haider

Anmerkung des Autors:
Claudia Haider unterstützt seit Ende 2008 den tibetischen Flüchtlingsjungen "Pam" als Patin. Im Frühjahr 2010 nahm sie erstmals an einer Patenreise in die TCV-Schule nach Chauntra in Indien teil.

Interview: Timm Bodner