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Barbara Beyweiß PDF Drucken E-Mail

 

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Indien - schon längere Zeit stand für mich fest, mein tibetisches Patenkind Lobsang in der TCV-Schule in Chauntra zu besuchen. Nach einigen Treffen mit Inge Eiselt und den anderen Mitreisenden war es am 1.April 2008 dann endlich so weit: Vollbepackt, mit jeder Menge Geschenke für Lobsang und die Patenkinder meiner Mutter und meiner Schwester aber auch mit vielen Kleidungsstücken und Spielen für die noch patenlosen Kindern und voll Vorfreude traf sich unsere Gruppe am Flughafen in Klagenfurt. Schon hier war ganz deutlich zu spüren: das gemeinsame Ziel verbindet!! Die positive erwartungsvolle Stimmung war ansteckend und so verging der Flug über Wien nach Delhi rasch.

 

 

 

Nach Besichtungstagen in Delhi und Chandrigar war es dann endlich wirklich so weit es ging nach Chauntra zu unseren Kindern. Ca. 250 scheinbar endlose Kilometer trennten uns von dort, Kurve über Kurve mit lautem Gehupe, über tausende Schlaglöcher, enge Straßen, z.T. auch unasphaltierten Abschnitten, hindurch zwischen Tuctucs, Autos, heiligen Kühen, Radfahrern und einigen Situationen, in denen allen unseren Schutzengeln Hochleistungen abverlangt wurden, kamen wir dann doch mit einiger Verspätung in der TCV- Schule an. Beim Anblick der uns schon sehnsüchtig erwartenden Kinder waren alle Mühen der letzten Stunden vergessen: wir waren hier!!

In all der Kinderschar hatte ich Yangchen, Lobsang und Migmar schon beim Verlassen des Busses entdeckt. Freudig strahlende Kinderaugen, etwas schüchtern noch, begrüßten mich!! Es war einer der glücklichsten Momente meines Lebens diese Kinder in den Arm zu nehmen. Hand in Hand gingen wir zum Gästehaus wo auch schon die ersten Fotos gemacht wurden. Digitalkameras sind DER Hit und so waren wir Kamerabesitzer immer von unzähligen Kindern umringt, die sich und ihre Freunde am Display der Kamera bewundern wollten.

Bei Keksen und Tee konnten wir im Gästehaus einige Zeit mit den Kindern verbringen und uns ein bisschen kennen lernen, bevor es weiter in unser Hotel ging. Dort herrschte im Zimmer von Sue, Elisabeth und mir noch ein eifriges Packen und Sortieren der Geschenke.

Am Samstag Vormittag hatten wir Gelegenheit einige Klassenzimmer, die Bibliothek und den Computersaal der Schule zu besichtigen. Auch einige Schlaf- und Speisesäle, die Küchen, die Krankenstation wurden uns gezeigt und ein Sonderschullehrer erklärte uns die Methoden, wie Kinder mit speziellem Förderbedarf und Behinderungen auf ein möglichst selbständiges Leben vorbereitet werden.
Dieser Rundgang war für mich ein Wechselspiel der Gefühle: begeistert von der Freude der Kinder am Lernen, der Motivation der Lehrer und tief berührt und erschüttert von den sporadisch ausgestatteten Schlaf- und Speisesälen ohne Warmwasser und Bodenbeläge und dem wenigen, das diese Kinder ihr eigen nennen dürfen erschreckt der Vergleich mit unseren überfüllten Kinderzimmern.

Nach dem gemeinsamen Mittagessen mit unseren Patenkindern und einer Tanz- und Gesangsvorführung die einige Kinder für uns vorbereitet hatten, war der von den Kindern langersehnte Augenblick der Geschenke- Verteilung endlich gekommen! So strahlende Kinderaugen gemischt mit Ungläubigkeit und auch Überforderung sieht man bei uns nur noch selten! Wie bei uns aber auch dort die Qual der Wahl: Was soll ich mir zuerst anschauen, probieren, auspacken. Ich war aber mindestens genauso gefordert und zum Teil auch überfordert, da ich ja drei Kinder zu betreuen hatte, Dinge erklären musste aber es war soo ein schönes Gefühl, diese Freude und Aufregung miterleben zu dürfen!!
Besonders begeistert waren Lobsang, Migmar und Yangchen von den Fotoalben, die wir zu Hause für sie vorbereitet hatten. Immer wieder musste ich ihnen und ihren Freunden erklären wer und was auf den Fotos zu sehen ist und schon bald wussten alle wer Raphael, Lara und Anika sind und wie die Paten von Migmar und Yangchen aussehen.

Die restliche Zeit verbrachte ich mit meinen Kindern und deren Freunden mit Ball- und Kartenspielen, durfte die Hausmütter unserer Kinder kennen lernen und auch die Schlafsäle und die Kästchen mit dem Gewand und den wenigen persönlichen Dingen besichtigen. Hut ab vor den Hausmüttern jede von ihnen betreut ca. 50 Kinder und auch ihre Schlafräume sind kaum gemütlicher ausgestattet als die der Kinder!

Am Sonntag wurde die Stimmung der Kinder aber auch unsere immer gedrückter, denn der Abschied nahte. Immer wieder mussten Tränen getrocknet werden und trotzdem hatten wir noch viel Spaß miteinander und nützten wirklich jede Minute die wir noch gemeinsam verbringen konnten. Als kleines Trostpflaster fragte ich Lobsang, Migmar und Yangchen was wir ihnen aus Österreich schicken sollen. Nach einigem Getuschel kam dann ganz zaghaft: Fussballschuhe und Fussballdressen von Zidane und Beckham für die Buben und für Yangchen eine Puppe und eine Schultasche!! Mittlerweile sind diese Geschenke unterwegs nach Indien selten haben meine Mutter, meine Schwester und ich Geschenke mit mehr Freude besorgt!

Es ist einfach ein schönes Gefühl zu wissen dass man für einen kleinen Menschen am anderen Ende der Welt ein wichtiger Bestandteil in einem sicher nicht leichten Leben geworden ist, der für diese Kinder Hoffnung und Zukunft bedeutet. Aber auch mein Leben hat seit Lobsang, aber auch Yangchen und Migmar, ein Teil davon geworden sind an Tiefe gewonnen.

Ganz sicher werde ich diese drei aber auch all die anderen Kinder, die mir in dieser Zeit ans Herz gewachsen sind, wieder besuchen!!

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