Start Berichte Timm Bodner Claudia Haider
Claudia Haider PDF Drucken E-Mail

 P3040337

Wem das Herz voll ist, dem geht der Mund über, sagt schon ein altes Sprichwort. Mein Herz ist voll von den 14 Tagen die ich in Indien verbrachte, die so viele Eindrücke hinterlassen haben und neue Erkenntnisse brachten.Ich schreibe jetzt mal so nieder was mir durch den Kopf geht und wer Lust und Laune  hat, kann mich auf meiner Erinnerungsreise ins ferne Indien begeleiten.

Die Gelegenheit für diese Reise, in diese fremde Welt, hatte einen Grund. Dieser Grund ist ein tibetisches Waisenkind, das in Indien, in der von der Schwester des Dalai Lama gegründeten Kinderdorfes, unter dem Vorgebirge des Himalajas eine Heimat und im fernen Europa eine Patin gefunden hat.
Aus der Geschichte wissen wir, dass die chinesische Besetzung Tibets, im  Jahr 1959, zu einem Genozid am tibetischen Volk führte. Mehr als eine Million Tibeter kamen dabei ums Leben. Nach dem Genozid folgten etwa 100.0000 Flüchtlinge, deren Strom bis heute nicht abreist. Unter ihnen befinden sich tausende verwaiste und verwahrloste Kinder, die durch Hunger, Krieg und den Verlust ihrer Angehörigen sowie ihrer Heimat, traumatisiert sind.

…einer davon ist Pam, mein Patenkind.
Er ist einer der 1000 Kinder, die in der Schule CHAUNTRAS leben, unterrichtet werden und so durch Bildung die Chance erhalten, tibetische Traditionen sowie ihren  eigenen Lebensweg in Selbstverantwortung zu gestallten.

Seine Eltern sind in Tibet ermordet worden und auf abenteuerliche Weise kam er als Waisenkind nach Indien. Sein kurzes Leben (vielleicht 8 Jahre? genaue Angaben können nicht gemacht werden, da sowohl Geburtsjahr -tag und -ort unbekannt sind) ist so bewegt, wie ein langer Roman. Alle Kinder, die hier leben, tragen Lebensgeschichten in sich, die von Vertreibung, Tot, Verlust, aber auch von Neubeginn und Chancen erzählen. Sie nützen diese Chancen, denn Bildung gilt als erstrebenswertes Gut und als Weg in eine bessere Zukunft.

In den Klassenzimmern herrscht konzentriertes Arbeiten und in den Freilernstunden ist es genauso leise und diszipliniert wie in den Stunden in denen der Lehrer unterrichtet. In der Pause geht es lustig zu, Kinder lachen, toben und spielen. Es fehlt jede Art von Gewalt oder Aggression.   Wie anders kennen wir das von unseren Schulen...

In den Wohnhäusern wo ca. 45 bis 50 Kinder im „Familienverband“ mit der Hausmutter wohnen, versagt der westliche Maßstab zur Beurteilung  gänzlich. Mit der Hausmutter versorgen sich die Kinder selber. Pflichten werden altersgerecht aufgeteilt und jeder trägt das Seine dazu bei, dass das Haus in Ordnung und das Essen gekocht ist und die Teller wieder abgewaschen werden.

Die Wäsche wird, Sommer wie Winter, von den Kindern selber mit der Hand gewaschen. Mit kaltem Wasser und Seife halten sie ihre Kleider in Ordnung. Warmes Wasser gibt es ganz selten und trotzdem haben alle Kinder saubere Nägel und gepflegte Haare.

Im Schlafsaal, mit seinem steinigen Fußboden, stehen die Stockbetten mit einer dünnen Auflage auf dem Brettereinsatz sowie Decke und  Kopfpolster. Jedem Kind dient eine Blechkiste zur Aufbewahrung seine persönlichen Dinge.

Bedrückend aus unserer westlichen Sicht, wo Überfluss das Bild prägt.
Beglückend, wenn man den Geist dahinter spürt. Eine heitere Fröhlichkeit liegt über den Räumen. Geschäftiges Treiben und wie es der Glaube lehrt, respektvolles Miteinander.

Ältere Kinder kümmern sich um die Jüngeren. Jeder trägt das Seine zum Zusammenleben bei und ist eingebettet in eine Gemeinschaft die Sicherheit und Stabilität bietet, in einem, aus den Fugen geratenen Leben.

Nach dem Tod meines Mannes, der Zeit seines Lebens die tibetische Kultur schätzte, knüpfte sich für mich diese Verbindung weiter.
So kam Pam in mein Leben und ich machte mich bei der sich bietenden Gelegenheit einer Patenreise, organisiert von Frau
Inge Eiselt, auf, mein Patenkind und Indien kennen zu lernen.

Nun geht es zu den Patenkindern nach Chauntra.
Chauntra liegt in den Vorläufern des Himalaya Gebirges und ist landschaftlich ein kleines Juwel. Sanfte grüne Landschaft, vor der schneebedeckten schroffen Bergkulisse, eröffnet sich dem Auge des Betrachters. Da und dort ein Tempel und ein Kloster als farblich bunter Kontrast.

Wir leben 3 Tage mit „unseren“ Kindern. Essen mit ihnen, sitzen mit ihnen in der Schulklasse und spielen mit ihnen im Kindergarten. Machen gemeinsame Ausflüge und feiern zusammen ein Fest, bei dem wir lebendiges tibetisches  Kulturgut in Lied und Tanz miterleben. Besuchen gemeinsam den Tempel und besichtigen ein angeschlossenes Altenheim, gebaut aus vorhandenen Steinen, das von den Jugendliche mitbetreut wird. Die Alten sitzen mit ihren Gebetsmühlen und -ketten versunken im Gebet und bereiten sich auf  den Tod vor. Der tiefe Friede dieses Ortes spiegelt sich in den Gesichtern und in den monotonen Gebeten wieder. Ab und an streift ein Hund herum oder schläft in der Nachmittagssonne…
Drei erlebnisvolle Tage mit herzschwerem Abschied.

Hier an dieser Stelle darf ich all jenen Damen des S.E.T.´s recht herzlich danken, die uns Spenden für die Kinder  der Schule mitgegeben haben.
Es konnte dadurch der  dringend benötigte Kopierer und Hygieneartikel für die Mädchen angeschafft werden. DANKE!

Danke auch den Damen die sich spontan entschlossen haben eine Patenschaft für ein tibetisches Kind zu übernehmen.
Wer Interesse hat, wende sich bitte an Frau
Inge Eiselt. Sie ist in Kärnten die Botschafterin der Tibet-Kinder und konnte schon 190 Kindern eine Patenschaft und damit eine Zukunftschance vermitteln.

An dieser Stelle auch IHR ein großes Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz zu helfen und Not zu lindern.

Es geschieht nichts Gutes, außer man tut es…

 

Lesen Sie hier das Interview mit Claudia Haider