| Claudia Haider |
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Die Gelegenheit für diese Reise, in diese fremde Welt, hatte einen Grund. Dieser Grund ist ein tibetisches Waisenkind, das in Indien, in der von der Schwester des Dalai Lama gegründeten Kinderdorfes, unter dem Vorgebirge des Himalajas eine Heimat und im fernen Europa eine Patin gefunden hat. …einer davon ist Pam, mein Patenkind. Seine Eltern sind in Tibet ermordet worden und auf abenteuerliche Weise kam er als Waisenkind nach Indien. Sein kurzes Leben (vielleicht 8 Jahre? genaue Angaben können nicht gemacht werden, da sowohl Geburtsjahr -tag und -ort unbekannt sind) ist so bewegt, wie ein langer Roman. Alle Kinder, die hier leben, tragen Lebensgeschichten in sich, die von Vertreibung, Tot, Verlust, aber auch von Neubeginn und Chancen erzählen. Sie nützen diese Chancen, denn Bildung gilt als erstrebenswertes Gut und als Weg in eine bessere Zukunft. In den Klassenzimmern herrscht konzentriertes Arbeiten und in den Freilernstunden ist es genauso leise und diszipliniert wie in den Stunden in denen der Lehrer unterrichtet. In der Pause geht es lustig zu, Kinder lachen, toben und spielen. Es fehlt jede Art von Gewalt oder Aggression. Wie anders kennen wir das von unseren Schulen... In den Wohnhäusern wo ca. 45 bis 50 Kinder im „Familienverband“ mit der Hausmutter wohnen, versagt der westliche Maßstab zur Beurteilung gänzlich. Mit der Hausmutter versorgen sich die Kinder selber. Pflichten werden altersgerecht aufgeteilt und jeder trägt das Seine dazu bei, dass das Haus in Ordnung und das Essen gekocht ist und die Teller wieder abgewaschen werden. Die Wäsche wird, Sommer wie Winter, von den Kindern selber mit der Hand gewaschen. Mit kaltem Wasser und Seife halten sie ihre Kleider in Ordnung. Warmes Wasser gibt es ganz selten und trotzdem haben alle Kinder saubere Nägel und gepflegte Haare. Im Schlafsaal, mit seinem steinigen Fußboden, stehen die Stockbetten mit einer dünnen Auflage auf dem Brettereinsatz sowie Decke und Kopfpolster. Jedem Kind dient eine Blechkiste zur Aufbewahrung seine persönlichen Dinge. Bedrückend aus unserer westlichen Sicht, wo Überfluss das Bild prägt. Ältere Kinder kümmern sich um die Jüngeren. Jeder trägt das Seine zum Zusammenleben bei und ist eingebettet in eine Gemeinschaft die Sicherheit und Stabilität bietet, in einem, aus den Fugen geratenen Leben. Nach dem Tod meines Mannes, der Zeit seines Lebens die tibetische Kultur schätzte, knüpfte sich für mich diese Verbindung weiter. Nun geht es zu den Patenkindern nach Chauntra. Wir leben 3 Tage mit „unseren“ Kindern. Essen mit ihnen, sitzen mit ihnen in der Schulklasse und spielen mit ihnen im Kindergarten. Machen gemeinsame Ausflüge und feiern zusammen ein Fest, bei dem wir lebendiges tibetisches Kulturgut in Lied und Tanz miterleben. Besuchen gemeinsam den Tempel und besichtigen ein angeschlossenes Altenheim, gebaut aus vorhandenen Steinen, das von den Jugendliche mitbetreut wird. Die Alten sitzen mit ihren Gebetsmühlen und -ketten versunken im Gebet und bereiten sich auf den Tod vor. Der tiefe Friede dieses Ortes spiegelt sich in den Gesichtern und in den monotonen Gebeten wieder. Ab und an streift ein Hund herum oder schläft in der Nachmittagssonne… Hier an dieser Stelle darf ich all jenen Damen des S.E.T.´s recht herzlich danken, die uns Spenden für die Kinder der Schule mitgegeben haben. Danke auch den Damen die sich spontan entschlossen haben eine Patenschaft für ein tibetisches Kind zu übernehmen. An dieser Stelle auch IHR ein großes Dankeschön für ihren unermüdlichen Einsatz zu helfen und Not zu lindern. Es geschieht nichts Gutes, außer man tut es…
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