|
Meine Reise der Horizonterweiterung

|
Die Einfahrt in Chauntra. In dem kleinen Ort in Nordindien liegt die TCV Schule, in dem auch mein Patenkind Lhakpa Dolma seine Ausbildung absolviert. Auf der Strasse sind schon die ersten Mönche zu sehen. Bei der Reisevorbereitung, bei der Einreise in Indien und speziell während der letzten Tage stiegen die Gedanken an Tibet. Ein Land, das ich nur von Bildern und Erzählungen kenne. Jetzt ist das Land von der einen Sekunde auf die andere präsent, durch geflüchtete Mönche. Um eine enge Kurve herum geht es die Straße hinunter Richtung Schuleinfahrt.
|
"Hello, I'm Timm. How are you?"
Welcome to TCV-School Chauntra ist auf einem Schild zu lesen. Die Mönche entlang der Straße mustern uns durch die Busscheiben. Ein paar winken uns auch freundlich zu. Ein sanftes Lächeln ist in manchen Gesichtern zu sehen. So richtig kann ich mich jetzt aber nicht mehr auf jede Einzelheit ausserhalb oder innerhalb des Busses konzentrieren. Zu groß ist die Anspannung. Zur Vorfreude mein Patenkind Lhakpa Dolma zu treffen, mischt sich jetzt auch Angst. Gedanken schwirren durch meinen Kopf "Wie soll ich mich verhalten? Was soll ich sagen? Wie werden wir aufgenommen?". Mein Herz leitet mich, wie ich später merken werde.
Das große Schultor öffnet sich, unser Bus passiert das Schulgelände. Eine Traube von Kindern nimmt uns in Empfang, sie reissen erfreut die Hände in die Höhe, die Augen werden größer, das Leuchten in den Pupillen heller. Nicht nur bei den Kindern, sondern auch innerhalb des Busses, bei den Paten.. Die Kinder haben sich vor der Bustüre aufgestellt. Mit unverständlichem Schnattern werden wir in Empfang genommen. Es ist ein schönes, berührendes Schnattern. Eine Reisekollegin kniet sich nieder und umarmt das erste Kind. Bewundernswert wie sie auf die Kleinen zugeht. Ich muss mich sammeln, mein Blick schweift herum. Ist mein Kind schon unter den Versammelten dabei? Ich kenne es nur von Fotos, aber irgendwie sehen alle gleich aus..
Die "Schulmutter" Tenzin Yangkee eilt uns entgegen. Sofort fällt sie unserer Reiseleiterin Inge in die Arme. Es ist ein mitreißendes Wiedersehen der Beiden. Inge hat zum jetzigen Zeitpunkt alleine in Kärnten 90 Paten für Kinder gefunden. Sie wird hier nahezu verehrt. Ehre, die ihr wirklich gebührt. Ich bin nicht der Einzige der sich unsicher ist, wegen seines Kindes. Auch die anderen blicken sich fragend um. Dann werden wir von Tenzin Yangkee in den zweiten Stock des Verwaltungsgebäudes gebeten. Tee und Kekse sind angerichtet. Bevor wir Platz nehmen, kommen unsere Kinder..
 Lhakpa Dolma steht das erste Mal vor mir. Ich kann ihr zum ersten Mal in die Augen sehen, nicht nur auf einem Foto. Alle Vorsätze, die ich mir gefasst hatte, wie ich mich beim ersten Aufeinandertreffen verhalten werde, sind vergessen. Ich bin sprachlos. Es ist ein bewegender Moment, ich weiß nicht, was ich sagen soll. Nur ein "Hello, I'm Timm. How are you?" bringe ich gerade noch heraus. Die Antwort "I'm 11 years old" ist kaum zu verstehen. Lhakpa Dolma flüstert, bringt ebenso wie ich, kaum einen Ton heraus. Auch sie ist wahnsinnig aufgeregt.
Wir setzen uns zu Tisch. Auf die Kekse verzichtet jeder von uns, wir geben sie selbstverständlich an die Kinder weiter. Die haben ein Leuchten in den Augen und sind dankbar für jeden Keks. Wir ahnen, dass es vermutlich das einzige Mal im Jahr ist, dass die Kinder Kekse bekommen. Lhakpa Dolma nimmt neben mir auf der Couch Platz. Heimlich verteilen wir Süßigkeiten an die Kinder. Kurz vor dem Schlafen gehen, muss das die Schulmutter nicht unbedingt sehen. Es ist so konträr zu unseren "Gepflogenheiten zuhause". Lhakpa Dolma bedankt sich für jedes einzelne Zuckerl. Bevor sie eines in den Mund steckt, reicht sie auch mir eines. Jedes Kind teilt sofort und räumt auch das Papier weg. Die Kinder werden gut erzogen, das ist schon auf den ersten Blick ersichtlich.
Langsam bricht das Eis. Kaum haben wir unsere Digitalcameras gezückt, sind wir umzingelt von Kindern, die darum bitten ein Foto von ihnen zu machen. Es ist so wunderbar hier zu sein. Alleine die Reisestrapazen des heutigen Tages haben sich damit voll gelohnt (stundenlange Busfahrt über halsbrecherische Strßen). Um diese Dankbarkeit, diese Freude und diese Wärme der Kinder zu spüren.
Leider müssen die Kinder ins Bett, da wir uns um Stunden bei der Ankunft in der Schule verspätet haben, wird das erste Aufeinandertreffen ein Kurzes. Aber morgen kommen wir zeitig in der Früh, um den gesamten Tag mit den Kindern zu verbringen..
Dauer- Kopfschütteln
Auch heute Samstag haben die Kinder halbtags Schule. Wir nutzen die Zeit zu einem Rundgang. Es folgt ein Dauer- "Kopfschütteln. Unfassbar wie die Kinder so leben können, verglichen mit unseren Gewohnheiten. Ihr ganzes Hab und Gut verstauen sie in einem kleinen Metallkästchen. Dort horten sie beispielsweise die Geschenke ihrer Paten. Den Schlüssel dazu tragen die Kinder, wie einen Schatz, auf einer Kette um den Hals. Untergebracht sind die Kinder in eigenen Häusern, Mädchen und Buben getrennt. Im Erdgeschoss eine Küche mit Gas- Kochstelle. In jedem Haus wird extra für und mit den Kindern gekocht. Im ersten und zweiten Stock sind die Zimmer untergebracht. Ein Geländer bei den Stiegenaufgängen gibt es nicht. Die Einrichtung erinnert an eine Kaserne. Die Betten sind aus Stahl, Matratzen gibt es nicht, Bettwäsche nur selten. Teilweise müssen die Kinder zu zweit in einem Bett liegen, weil der Platz zu eng wird. Pro Haus gibt es eine Hausmutter, sie betreut teilweise bis zu 60 Kinder! Die Fenster in den Zimmern sind nicht abgedichtet, es zieht wie in einem Vogelhaus, Heizung gibt es keine.In gleich ärmlich einfachen Verhältnissen wohnen die Lehrer und Bediensteten der Schule.
Die Krankenstation ist auf den ersten Blick nicht als solche zu erkennen. Medizin ist Mangelware. Dafür gibt es bei den Betten Matratzen und auch bunte Bettwäsche ist teilweise vorhanden, um die kranken Kinder zumindest ein wenig auf andere Gedanken zu bringen. Zwei Buben und ein Mädchen liegen gerade auf der Krankenstation. Sie freuen sich uns zu sehen. Es bedarf starker Nerven in dem Raum zu stehen und nicht wirklich helfen zu können. Ein Bub liegt mit offensichtlich hohem Fieber im Bett. Hat den Kopf zur Seite gedreht und atmet schwer. Bei uns würde das Kind von seiner Mutter gepflegt werden. Doch dieser Junge muss ohne seiner Mutter auskommen, vielleicht für immer..
Die tibetischen Kinder werden von ihren völlig verzweifelten Eltern über den Himalaja nach Nepal geschickt. Wer es schafft kommt in die nepalesische Hauptstadt Kathmandu in ein "Auffanglager". Von dort geht es weiter nach Dharamsala. Vom TCV- Headquarter werden die Kinder dann in einer der neun TCV- Schulen in Indien untergebracht. So wird den Kindern eine Ausbildung ermöglicht. Nicht nur Flüchtlinge finden hier Zuflucht. Sondern auch in Indien geborene tibetische Kinder. Unser Rundgang wird fortgesetzt. Es regnet in Strömen. Aber aus den Klassenzimmern sind fröhliche Gesänge zu hören. "Regen bringt Glück", glauben die Tibeter. Wenn unsere Reisegruppe ein Klassenzimmer betritt wird auch extra für uns gesungen. In der tibetischen Landessprache. Die Kinder sind glücklich, sie sind zufrieden und dankbar. Das sieht man ihnen an. In der Schule gibt es auch eigene Klassen für beeinträchtige Kinder. Mit unglaublicher, familiärer Fürsorge von Seiten der Lehrer und Betreuer wird auch Kindern geholfen, die schlecht hören, Sprachprobleme haben oder an physischen oder psychischen Störungen leiden. Meist Folgen der Flucht aus Tibet.
Ein Lehrer erklärt uns, die Schule braucht Vitamine für die Kinder und Salben, weil geflüchtete Kinder oft starke Probleme mit ihrer Haut haben. Die Unterrichtsräume hier sind viel "wärmer und freundlicher" ausgestattet. Es gibt auch Betten. Auf der Bettwäsche sind Tiere drauf. Typische Kinderbettwäsche. Falsch, "typisch und selbstverständlich" ist das nur für uns. Für die Kinder hier, ist es ein Privileg und etwas Besonderes. Weil es besonders beeinträchtige Kinder noch schwerer haben, bekommen sie sogar Stofftiere. Heizung gibt es aber auch hier keine. "Ab Herbst, wenn es draußen richtig kalt wird, reiben wir uns gegenseitig die Hände und laufen in den Zimmern herum" erklärt uns ein Lehrer, "so halten wir uns und die Kinder warm". "Im Winter hat es um die fünf Grad, Schnee fällt keiner. Die dicke Kleidung, die wir haben, ziehen wir den Kindern an. Unterrichtet wird in diesen "Beeinträchtigten- Klassen" Englisch, Mathematik und Tibetisch. Für sieben Kindern gibt es einen Lehrer. Außerdem werden die Kinder in Zeichnen und Singen unterrichtet. Es gibt eine eigene Sprachtherapie und es wird viel über die Zukunft diskutiert. Außerdem wird mit den Kinder viel Spazieren gegangen, ihnen wird das Schneidern beigebracht und spezielle Fähigkeiten werden auch gesondert gefördert. Regelmäßig gibt es auch so genannte "Activity Days". Einen ganzen Tag wird dann gekocht, gezeichnet oder es werden Referate ausgearbeitet. Den Kinder wird auch das Einkaufen beigebracht. Ziel ist es, dass auch beeinträchtige Kinder sich später einmal selbst versorgen können. Selbstständig leben können. Es gibt viele Kinder, die schwerst behindert sind. Außerdem werden die Flüchtlinge immer jünger. Es wird trotzdem alles versucht, um mit den zur Verfügung stehenden Mitteln, eine gezielte Betreuung zu sichern.
Nach Schulende gibt es ein gemeinsames Mittagessen mit unseren Patenkindern. Obwohl die Schule selbst fast nichts hat, wird für uns gekocht. Traditionell Tibetisches. So richtig Zulangen tut keiner, wir gönnen es den Kindern. Für sie ist es wie ein Festessen. Langsam entsteht auch immer mehr Nähe zu meinem Patenkind Lhakpa Dolma. Sie setzt sich beim Essen neben mich, fasst auch nach meiner Hand. Nach dem Mittagessen gibt es in der Turnhalle eine Vorführung für uns. Es wird gesungen und ein tibetisches Theaterstück aufgeführt. Wieder ein ergreifender Moment: Am Ende wird die tibetische Nationalhymne gesungen. Kaum erklingen die ersten Töne, springen alle Kinder auf, halten ihre Hand auf die Brust und singen lauthals mit. Stolz ist in ihren Gesichtern zu erkennen, aber auch Trauer. Sie singen die Hymne ihres Landes, das nicht in ihrem Besitz ist. Manche von ihnen mussten aus ihrem Heimatland flüchten, viele haben es gar noch nicht gesehen. Das gemeinsame Singen treibt mir Schauer über den Rücken und bereitet Gänsehaut am ganzen Körper.
Dann der Höhepunkt für die Kinder. Die Geschenke werden vergeben. Reiseleiterin Inge hat die letzten Stunden damit verbracht alle verstauten Päckchen, auch der Nicht- Mitgereisten Paten, aufzustapeln. Es gleicht einer gigantischen Weihnachtsbescherung, halt ohne Christbaum. Es ist mir sogar ein bisschen unangenehm. Auf keinen Fall will ich den Eindruck eines "Weihnachtsmannes" erwecken, der jetzt mit den Geschenken um sich schmeißt. Aber wiederum das Leuchten in den Augen eines jeden einzelnen Kindes ist so ergreifend. Sie freuen sich über die kleinste Kleinigkeit. Geben sich mit allem zufrieden und sind so unglaublich dankbar. Gesichtsausdrücke sprechen da Bände.. Den Nachmittag verbringen wir noch spielend mit den Kindern. Die mitgebrachten Kartenspiele etc werden erklärt. Ein witziges Bild. Am Schulhof sind überall verteilt ein Haufen Kinder zu sehen, darunter verbirgt sich einer von uns, der gerade ein Spiel erklärt.. Die Zeit vergeht wie im Flug, leider viel zu schnell. Tag Zwei in der Schule geht zu Ende. Zum Abschied begleiten uns die Kinder zum Bus. Sie stellen sich vor der Türe in einer Reihe auf und strecken die Arme aus. Jeder von uns wird vor dem Einsteigen noch einmal berührt. Es erinnert an den Abgang eines Fußballstars nach einem Match.. Im Bus beginnt das Verarbeiten des Erlebten. So viele Eindrücke gehören gesammelt. Der Bus fährt los, die Kinder laufen die ersten paar Meter mit und winken. Reiseleiterin Inge hat Tränen in den Augen, schaut uns alle an und sagt "Jetzt wisst ihr, warum ich das mache.." Ja, jetzt wissen wir es. Jetzt haben wir es selbst erlebt..
Vienna or Rihanna and Hello Eminem
Heute Sonntag ist keine Schule, dafür Waschtag, für die älteren. Die Kinder sind gleich bereit. Lhakpa Dolma fasst mich an der Hand, das Eis ist endgültig gebrochen. Wir spazieren über den Schulhof. Eine Freundin von ihr ist auch dabei. Lhakpa erklärt mir die einzelnen Gebäude, zeigt mir wo sie schläft und in welche Klasse sie geht. Ihr Englisch wird immer besser. Wir verstehen uns aber auch ohne Worte. Je mehr Zeit vergeht, desto fester umklammert sie meine Hand. Zwischendurch setzen wir uns immer wieder einmal auf eine der zahlreichen Bänke.
Sofort kommen andere Kinder zu mir und fragen mich woher ich komme. "From Austria", sage ich. "Australia?" "No, Austria, between Germany and Italy.. Vienna". "Rihanna?"
Die Konversationen sind wirklich köstlich, teilweise. Ein Junge, ca 15. Jahre alt, fällt mir auch sofort auf. Er trägt ein T- Shirt mit einem Bild von Rapper Eminem drauf. Ich sage zu ihm "Hello Eminem. What's going on?" "You know Eminem, you know his music?" Der Junge ist begeistert, dass ich sein offensichtliches musikalisches Idol kenne. Dann fragt mich der kleine Eminem "Do you know the Dalai Lama?" Rundherum wird es still. Die Kinder blicken mich an und lauschen gespannt. Ich sage "Yes, I know him. And tomorrow i will drive to Dharamsala, where he is living." In den Blicken der Kinder erkenne ich, sie würden auch gerne den Dalai Lama treffen..
Das nächste schöne Erlebnis auf dieser Reise. Herbert, 75 Jahre, hat die Strapazen der Reise auf sich genommen um Indien zu sehen. Er hat kein Patenkind. Das heißt, er hatte keines. Denn ein Blick in die Gesichter der Kinder hat ihm gereicht. Spontan hat er sich dazu entschlossen, die Patenschaft für einen Jungen zu übernehmen. Es ist gigantisch, wie ein einzelner Blick ein Herz öffnen kann.. Gott sei Dank..
Ich bin auch schon ganz gespannt, ich werde auch noch ein zweites Patenkind nehmen, für meine Großeltern. Auch sie wollen eine Patenschaft übernehmen. Deshalb habe ich gleich ein Gespräch mit Schulmutter Tenzin Yangkee, außerdem nutze ich die Zeit gleich, um ein Interview mit ihr zu führen. Lhakpa Dolma muss ich währenddessen leider verlassen. Sie spielt aber sofort mit anderen Kinder weiter. Und wird auch von anderen Mitreisenden umsorgt, als wäre es ihr eigenes Kind.
Hier Interview mit Tenzing Yangkee lesen
Lhakpa Dolma wartet schon ungeduldig vor dem Sekretariat auf mich. Mein Interview ist beendet. Gemeinsam mit den Kindern machen wir uns auf und spazieren zu einem nahe gelegenen Buddha- Tempel. Die letzte Möglichkeit noch einmal Zeit mit den Kindern zu verbringen. Jeden Paten und auch Nicht- Paten sieht man mit ein paar Kindern an der Hand. Jeder genießt es. Jeder weiß aber auch, dass der Höhepunkt unserer Reise bald vorbei sein wird. Der Tempel ist wunderschön, wie eigentlich alle Buddha- Tempel, die wir bisher gesehen haben. Die Kinder weisen uns sofort darauf hin, dass wir am Eingang die Schuhe ausziehen müssen.
Im Uhrzeigersinn durchstreifen wir den Tempel, blicken auf die Buddhastatuen und auf die betenden Mönche. Sie beten für Frieden und ein freies Tibet. In Gedanken sind sie bei ihren Brüdern in Lhasa. Grausame Geschichten werden von dort erzählt, besonders was das Foltern von Mönchen betrifft. In Chauntra sind auch Folterbilder aufgehängt. Angeblich die Wahrheit was mit Mönchen in Tibet wirklich passiert. Gefoltert und ermordet. Über ein geheimes Handynetz ist es gelungen die geheim geschossenen Fotos der Gräueltaten aus Tibet hinauszuschicken. Die Kinder kennen die Riten im Tempel ganz genau, egal wie jung sie sind. Sie wissen wie sie sich zu verhalten haben und sind auch sehr diszipliniert. Vor dem Tempel schießen wir noch einmal gemeinsame Fotos. Dann treten wir den Rückweg zur Schule an. Der Hinmarsch zum Tempel hat etwa 15 Minuten gedauert, zurück brauchen wir eine halbe Stunde. Keiner hat es eilig, niemand geht schnell. Jeder will die letzten Augenblicke noch genießen und den Abschied hinauszögern.
"Ich will nicht schon wieder verlassen werden.."
Der Abschied muss aber kommen. Ein letztes Mal drücke ich Lhakpa Dolmas Hand, als wir von der Schulmutter verabschiedet werden. Sie dankt uns für unser Engagement und sagt, dass Österreich eines der stärksten Sponsorländer für tibetische Flüchtlingskinder ist Ich umarme Lhakpa Dolma und halte sie ein paar Augenblicke lange fest. Die Augen werden wässrig. Rundherum fließen die Tränen schon in Strömen. Wirklich niemandem fällt es leicht jetzt Abschied zu nehmen. Besonders wenn man nicht weiß, ob man jemals wiederkommen wird. Ob man die Herzlichkeit, die Freundlichkeit, die Einfachheit und die beneidenswerte Gelassenheit der Kinder noch einmal hautnah erleben wird können. Ein Kind flüstert ihrer Patin unter Tränen ins Ohr "Ich will nicht, dass ich schon wieder verlassen werde.." Leider muss es aber sein.
Der Blick aus dem Busfenster hinaus fällt schwer. Die Kinder stehen wieder in einer Reihe, wie sie uns bei der Ankunft empfangen haben. Auch aus ihren Augen kullern die Tränen. Abschied, hoffentlich nicht für immer. Beim Hinausfahren aus dem Schulgelände schwöre ich mir, ich werde wieder zurückkommen.
Auf Wiedersehen Lhakpa Dolma, bis bald..
Hier gehts zu meiner Fotogalerie.
|